Gelungener Spagat zwischen Pop und Feminismus

Am 19.10.2023 kam Lauren Mayberry im Rahmen ihrer Solo-Tour nach Wien und präsentierte sich musikalisch mit feministischen Unterton. Zusammen mit ihrem Support Eli bot sie ein stimmiges Konzert, man musste sich nur darauf einlassen.

Immer wieder sichtete man an diesem Oktoberabend ein Stück aus der CHVRCHES Merchandising-Kollektion im Flex. Nein das hier war kein Fehler, und nein, die Erfolgsband spielte hier keinen Überraschungsgig, sondern deren Frontfrau Lauren Mayberry gastierte hier mit ihrem Soloprojekt. Mit nur zwei veröffentlichten Single, ging es für die Schottin auf Tour, die sie auch noch Wien führte.

Zuerst einmal betrat ELI die Bühne, die wie sie sagte, seit langem wieder allein auf der Bühne stand. Daheim in London hätte sie nämlich eine Band und sie bedanke sich für respektvolle Stille bei ihrem Auftritt. Ob die Band nun fehlte oder nicht, kann nur die Musikerin selbst beantworten. Denn schaut man auf eine bekannte Videoplattform, wird einem hier schnell klar, dass man „Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann“. Solo beschworen ihre samtige, dunkle Stimme und ihr beachtliches Gitarrenspiel eine angenehme Stimmung herauf. In der Tat hätte sie an diesem Abend in einem Jazz Club auftreten können. Die Künstlerin spielte Stücke wie "Too Much", "Revelation" und "Lover". Auch ihre aktuelle Single "Promises", die durchaus Hitpotential hat, stand auf dem Plan. Das wirklich wunderschöne Video dazu empfahl ELI ebenso charmant wie ihren Merch und den Hauptact Lauren Mayberry.
 

Gleich nach dem Bühnenumbau merkte man, dass das hier eine Lauren Mayberry Show ist. Eine Bühnendekoration bestehend aus vielen Blumen, als Intro eine Passage aus Cabaret, zwischen Songs immer wieder Intros, die mehr längeren Einspielungen glichen, aus berühmten und wichtigen Büchern- sogar verfilmt/ und vertont. Man entdeckte „Male Fantasies“ von Klaus Theweleit, „The Yellow Wallpaper“ von Charlotte Perkins Gilman und natürlich durfte auch Margaret Atwood nicht fehlen, vertreten mit einem Ausschnitt aus „The Robber Bride“. Es ist ein Stück Feminismus, den Mayberry sich nie nehmen ließ. Es versteht sich von selbst, dass diese Teile gekonnt mit den Songs interagierten.
Im goldenen Glitzerkleid, punkigen Plateauschuhen und ihrer inzwischen zur Signatur gewordenen glitzernden Kriegsbemalung, betrat sie selbstbewusst zu „Bird“ die kleine Bühne des Flex‘. Mit im Gepäck hatte sie eine dreiköpfige Band, eine Drummerin, eine Gitarristin, eine Keyboarderin/Synths. Einen bestimmten Stil wie bei CHVRCHES hat Lauren Mayberry nicht, viel ist poppig ("Change Shapes") und zu den Synths lässt es sich herrlich tanzen ("Crocodile Tears"), "Sorry etc." hingegen geht fast mehr in Richtung Rock/Punk/Grunge. Langweilig wurde es an diesem Abend selten. Immer wieder richtete die Musikerin die Worte an das Publikum, und spielte auch zwei Coverversionen. Im Internet kursierten schon jede Menge Lieder, die an der Reihe waren. Spice Girls, Nena, The 1975,… In Wien entschieden sich Lauren und die Band sich für eine gelungene Version von "Like A Prayer" (Madonna) und "Personal Jesus" (Depeche Mode).
Obwohl Mayberry lange nicht vor ausverkauftem Haus spielte, wirkte das fast wie eine Unverschämtheit. Immerhin ist ihre einzigartige, glockenhelle Stimme immer noch dieselbe, und Zeilen wie in "Bird" ["A paranoid parade/ I wont’t try to explain/When I burn down the house / You’ll know why I did it"] oder auch ["How pathetic, drinking gasoline and calling me the flame"] in  ihrer aktuellen Single "Shame"beweisen ihr Talent als Songwriterin. Es ist fast traurig, dass sich an dem Abend ihre beiden Singles "Are You Awake", die Lauren Mayberry am (leicht verstimmten) Piano spielte, und die Coversongs am besten ankommen. So wirkten ruhigere Songs wie "Under the knife" leider völlig verloren, da viele das Lied nur mehr durch ihr Mobiltelefon wahrnahmen. "I promise I’ll finish the album soon.", versprach die Schottin dennoch gegen Schluss. Es ist ihr zu wünschen, dass dann mehr Publikum bereit ist ihr zuzuhören. All jene, die es an diesem Abend schon taten, verbrachten eine inspirierende und gelungene Zeit.
Ein Wiedersehen wäre auf jeden Fall mehr als erfreulich, denn LM bewies, dass sie weder den seichten Pop bedient, noch je ein Aufputz oder der Typ in einer Band war und ist.


Setliste:
Intro
Bird
Change Shapes
Mantra
Under The Knife
Shame
Like A Prayer
Are You Awake
Crocodile Tears
Personal Jesus
Sorry ETC

 

Stephanie Ambros
Kathrin
Suppanz