Ich mag es laut und exzessiv.

Ankathie Koi, eine der beiden Gründerinnen von Fijuka, veröffentlichte Ende Oktober 2014 ihre erste Solo EP und sorgte mit dem dazugehörigen Video für Aufsehen. fm5 sprach mit der Sängerin über ihre Inspiration, Frauen in der Musik und musikalische Vorbilder.

fm5: Warum hast du dich entschieden neben Fijuka ein Solo Projekt zu starten?

Ankathie Koi: Letzten Herbst hatten wir eine Phase in der gerade das Album rauskam, die ersten Gigs waren vorbei und jeder konnte einmal kurz durchatmen. Wir waren dann schnell in der Schreibphase für das nächste Album und ich schrieb sehr viele Songs - da waren dann zwei, drei dabei, von denen ich von Anfang an wusste, dass ich sie nicht mit Fijuka spielen kann. Elektronischer, clubtauglicher. Produziert haben es Bartellow und Cpt. Yossarian, die ich beide aus meiner Zeit in Linz kenne und mit denen ich immer schon arbeiten wollte. Es war jetzt aber keine bewusste Entscheidung nun solo zu arbeiten, sondern eher - diese Songs sind jetzt da, ich hab’ Zeit, ich hab’ Bock.

Den Song Donna spielt ihr auch live mit Fijuka - wie trennst du Band und Solo Projekt?

Den haben wir sogar für das neue Album aufgenommen! Wir waren in einer Phase, in der wir schnellere Songs spielen wollten. Es fühlt sich gut an und die Leute sollen tanzen. Dieser Song hat sich dafür geradezu angeboten und ich denke das Experiment ist geglückt. Als wir ihn jetzt mit Fijuka aufgenommen haben klang er wieder ganz anders - ein komplett anderer Charakter.

Was inspiriert dich im Songwritingprozess - Realität oder Fiktion?

Ich orientiere mich immer mehr an der Realität, vielleicht weil mein Leben immer absurder wird. (lacht) 2014 war ein extrem schräges Jahr, in dem auch viele beschissene Dinge passiert sind. Ich habe das Gefühl je älter ich werde, desto mehr spannendes Material habe ich auch zum Schreiben. Gerade 2014 hat mir sehr viele Themen serviert. Es geht um Männer, Sex, Lügen, Betrügen..

Du hast eine klassische Gesangsausbildung und warst auch schon im Singer-Songwriter Genre unterwegs. Wie erfolgte die Entwicklung zu der Künstlerin, die du heute bist?

Der Punkt war, dass ich irgendwann das Gefühl eine Stunde allein nur mit der Gitarre auf der Bühne zu sein, also das klassische Singer-Songwriter Dasein, nicht mehr mochte. Das Publikum - alle sitzen, manche hören zu, manche nicht, manche weinen. Ich mag es lieber laut, exzessiv und will, dass sich etwas tut. Das habe ich nicht mehr gespürt. Ich genieße es jetzt extrem ein Schlagzeug hinter mir zu spüren - und die Energie, die von anderen kommt. Vielleicht kommt in Zukunft auch wieder ein Wandel. Schließlich habe ich sehr viele weibliche musikalische Vorbilder die genau so etwas machen. Das ist auch ein weiterer positiver Aspekt des Älterwerdens - man weiß viel mehr was man ist und was nicht.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Ich habe wahnsinnig viel Joni Mitchell gehört, die habe ich total verinnerlicht. Ich bin ein großer Kate Bush Fan - sie als Person, das ganze Auftreten, die Aura, hat mir sehr fasziniert. Alter Rock’n’Roll, Sixties Musik, aber auch Portishead und Radiohead. Es gibt immer wieder kleine Ausflüge, aber ich komme schlussendlich immer wieder zu den selben Bands zurück.

Wenn du privat auf Konzerte gehst, kannst du dann abschalten und genießen oder vergleichst du dich dann mit den MusikerInnen?

Nein, da wird man sonst verrückt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich nicht auf besonders viele Konzerte gehe. Ich beschäftige mich ohnehin so viel Musik, da muss ich dann auch mal Abstand gewinnen. Bei mir kommt es auch selten vor, dass ich mir ein ganzes Konzert ansehe - nicht weil es mir nicht gefällt, sondern weil ich den Punkt erreiche, an dem ich das Gefühl habe, ich habe alles aufgenommen und mehr geht nicht.

Aus einem Interview mit Patrick Pulsinger ist mir seine Aussage, dass es viel zu wenige Frauen in der Musikszene gäbe, in Erinnerung geblieben. Wie siehst du das?

Ich habe das Gefühl, dass es langsam besser wird. Was man natürlich schon sehr stark merkt, dass es kaum Produzentinnen gibt, da fallen mir jetzt wenige ein. Ich weiß bis heute nicht woran das liegt. Warum gibt es so wenige E-Gitarristinnen, Schlagzeugerinnen? Darüber zerbreche ich mir seit Jahren den Kopf. Ist es immer noch diese ganz banale Angst vor der Technik? Ich zum Beispiel bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem der PC nur mit Samthandschuhen angefasst werden durfte - als würde er vor meinen Augen explodieren, wenn ich den falschen Knopf drückte. Dementsprechend habe ich mich mein ganzes Leben vor Computern gefürchtet und habe meinen ersten Apple erst 2008 gekauft.  Es war eine richtige Furcht vor diesen Geräten.

Bei deiner Videopremiere zu "Kate, it’s hunting season" hat das Noisey Magazin getitelt: “Eine Frau, der man nicht im Weg stehen will”. Siehst du dich als Feministin?

In einem gesunden Maß schon. Ich bin jetzt nicht die totale Emanze oder so, aber ich finde ich bin gesund emanzipiert. Feministin ist schon wieder so negativ besetzt. Ich fühl mich feministisch genug. Es könnte vielleicht noch ein bisschen mehr sein, aber ich kann mich ganz gut durchsetzen.  

Aber das war ein lustiger Ausspruch (Anmerkung: das Noisey Zitat). Ich habe mich gefragt, wie es wohl dazu gekommen ist. Der Gesichtsausdruck, der Angst verbreitet oder vielleicht die extremen Schulterpolster, mit denen man jeden aufspießen kann. (lacht) Das Konzept zum Video hatte ich schon lange im Kopf gehabt als ich den Song geschrieben habe. Ich habe ihn geschrieben und immer wieder dazu getanzt. Er verköpert sozusagen mein ideales Tanztempo. Ich wollte schon immer ein Tanzvideo machen und bin froh, dass wir uns das getraut haben - es ist doch ein sehr langes Video, in dem eigentlich nichts passiert.

Zum Abschluss noch fünf Kurzfragen:

  • 3 Wörter, die dich beschreiben: bunt, laut, sprunghaft
  • Dein erstes Konzert: Air in der Muffathalle in München
  • Dein Wunsch für 2015: Weiterhin die Energie zu haben um das zu machen, was ich jetzt mache. Weiterhin Musik machen zu können.
  • Ein Song der dein Leben beschreibt: Das ändert sich doch täglich! Eine Momentaufnahme wäre Storms von Fleetwood Mac.
  • Ein Song, den du gerne geschrieben hättest:

Da hätte ich 3:

Running up that hill - Kate Bush
Bittersweet Symphony - The Verve
Ein paar der Songs von "Bitches Brew" von Miles Davis

Danke für das Interview!

 

 

Nächster Live Termin in Wien:
THE NEW SCHOOL OF SEAYOU
14.02.2014
Fluc

Nina Wöss

'Sie gehörte zu den Mädchen, die niemals etwas nur mögen oder gut finden, sondern schwärmen.'

K. Hagena, "Der Geschmack von Apfelkernen"