Frequency 2016 | Tag 2

Frequency 2016 | Tag 2
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20. August 2016
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VAZ St. Pölten

In der zweiten Runde des diesjährigen Frequency Festivals, ist nun endlich wahre Festivalstimmung zu spüren. Das Wetter könnte besser nicht sein, das Line-Up wartet mit großen Highlights auf und vor den Bühnen finden sich vorrangig euphorische Fans und Musikliebhaber ein, anstelle der zaghaften Zaungäste des Vortages.

Es gibt kaum ein schöneres Geschenk für Festivalbesucher, als vom Regen verschont zu bleiben, dennoch erweist sich die strahlende Mittagssonne teilweise mehr als Fluch denn als Segen, so heiß ist es um die Mittagszeit plötzlich.
Naheliegend also, sich ins dunkle Innere der Weekender Stage zu retten. Im Gebäude, in dem sich diese befindet (und das ab 22 Uhr als Nightpark fungiert), ist die Temperatur aber kaum erträglicher.
Trotzdem bleibt man dann da, da Skero mit seinem ambitionierten Live-Set (inkl. Unterstützung der Blasmusikkappelle Perchtoldsdorf) von den Hitze-Strapazen abzulenken vermag. Und bei „Kabinenparty“ gehört Schwitzen wohl dazu.

Währenddessen verschiebt sich auf der Green Stage das Programm ein wenig, da Jennifer Rostock ihren Auftritt kurzfristig absagen müssen. Hier werden zuerst Chefboss und dann Turbobier von einem sehr enthusiastischen Publikum begrüßt, dass sich dann bei Fat White Family in Luft auflöst.
Das ist schade und verwundert, denn die Garage-Punk Band aus London hat sich in ihren heimischen Gefilden bereits den Ruf der momentan besten Live-Band eingespielt und auch die letzte Headline-Show in Wien war gut besucht. Hier am Frequency finden sich aber wohl keine Abnehmer für die ekstatische Live-Show der Band und so hält sich diese auch etwas zurück und hält auch ihre neuen Songs unter Verschluss.

Kurz darauf beginnen Foals ihren Auftritt auf der Space Stage. Die Band ist ein offensichtlicher Publikumsliebling und obwohl die Jungs rund um Yannis Philippakis hauptsächlich neueres spielen und die Songs des ersten Albums etwas vernachlässigen, ist die Menge hellauf begeistert.
Das Publikum tobt und so lässt sich der Frontmann nach der Show auch noch ein wenig durchs Publikum tragen.

Der Abend rückt näher, die Temperaturen sinken endlich ein wenig und auch der Auftritt der Last Shadow Puppets auf der Space Stage rückt immer näher.
Vor der Bühne haben sich schon etliche Fans mit „Arctic Monkeys“ – T-Shirts eingefunden, die jetzt wohl auch lieber ebendiese Band, anstatt Alex Turners Zweitband sehen wollen würden.
Und dies ist verständlich – die Arctic Monkeys sind eine Band wie gemacht für Festivals, die Last Shadow Puppets hingegen, passen mit ihrer aufwendig arrangierten orchestralen Western-Pop-Musik, eher in die kleinen Theater und Konzerthäuser, in denen sie sonst auch üblicherweise spielen.
Trotzdem wird der Auftritt dann ein guter. Ein 4-köpfiges Streichorchester - das während dem Konzert tapfer die ständigen improvisierten Stunts und kleinen Änderungen der Songs von Alex Turner und Miles Kane hinnimmt - nimmt als erster auf der Bühne Platz, Alex und Miles betreten dann unter großem Applaus die Bühne.
Miles Kane scheint der Erfolg der letzten Jahre etwas zu Kopf gestiegen zu sein, mit einem Leoparden-Morgenmantel, der aus Hugh Hefners Garderobe entstammen könnte und einer Arroganz, die etwas im Unverhältnis zu seinem musikalischen Schaffen steht, konzentriert dieser sich mehr auf sein Sonnen im Scheinwerferlicht, als das Präsentieren der Songs.
Diesen Part übernimmt dafür Alex Turner umso mehr, der sich zwar zu gelegentlichen Blödeleien mit seinem Bandkollegen hinreißen lässt, sich aber, sobald die Songs den Einsatz seiner Crooner-Stimme erfordern, gewissenhaft um eine hinreißende Performance kümmert.
Auch eine Kostprobe seines davor im Backstage geschriebenen Songs „Mein Haartrockner ist kaputt“ lässt er sich nicht nehmen.

Die Sportfreunde Stiller, die danach die Bühne betreten, sind dann wieder mehr die Art von Band, die man auf einem Festival wie diesem sehen will. Der Platz vor der Bühne ist voll und das textsicherere Publikum feiert die Band ungemein.
Die fantastischen Parov Stelar entlassen das Publikum dann schlussendlich glücklich in die Nacht, zurück zu den Zeltplätzen. Mit so viel toller Musik in den Ohren, lässt es sich kaum besser schlafen! 

Christina
Masarei