Diese Ausgabe der Marmelade im Schuh-Reihe widmet sich dem Thema Erotik und der Tatsache, dass man sie nicht auf Messen findet, dafür aber jede Menge notgeiler Böcke.
Als mir die Idee kam gemeinsam mit meinem Lieblingsfotografen auf die Erotikmesse zu gehen, waren wir beide begeistert, denn wir dachten, das würde sicher lustig werden, doch als wir uns unserem Ziel näherten, wurde uns schon ganz mulmig. Jeder der uns entgegen kam war uns suspekt und als potentieller Besucher der Messe abgestempelt und tatsächlich hatten wir uns nicht geirrt. Nicht lustig, aber komisch war es dann auch, als wir die nicht so heiligen Hallen betraten. Mit einem gewissen tragischen Beigeschmack, denn wir fühlten uns, als wären wir inmitten einer Deix-Karikatur, wie eine Freundin so schön sagen würde.
Wo ist der Sexappeal?
Die Veranstaltung erwies sich als klarer Fall von Themenverfehlung, denn mit Erotik hatte die Erotik-Messe in der Pyramide Vösendorf nicht viel zu tun. Das Ambiente war gar nicht heiß, sondern ziemlich kalt. Die Musik war nicht sexy und verrucht, sondern laut und billig, wie die String-Tangas, die es zu kaufen gab. Die Shows nicht erotisch, sondern geschmacklos. Das Publikum zum Großteil eher abstoßend, als anregend. Alte Männer wuselten vor der Bühne herum und setzten sich großem gesundheitlichem Risiko aus: hochrote Köpfe vom „Locherl schaun“ deuten darauf hin, dass die Pumpe bald nicht mehr mitmacht und ganz ehrlich – Wiederbelebung ist das Letzte, was man hier machen mag. Besonders groß war diese Angst auch bei einem „Herren“, der auf die Bühne durfte und ganz schnell versuchte, verbotenerweise seine Finger hin zu schieben, wo sie absolut nichts verloren hatten. Mehr als eine lächelnde Abmahnung der Tänzerin hat er aber nicht bekommen. Bekommen haben dafür andere etwas: eine extra freundliche Begrüßung gabs für den Herren mit Lippenstift, der Moderator outete ihn als Stammgast, seit der ersten Messe, andere freuen sich über eine Latte.
Ignorant, durch und durch.
Zwar standen durchaus Lesben-Shows am Programm, doch wohl nicht um gleichgeschlechtliche Liebe anzuerkennen, sondern um dumpfe Männerphantasien zu befriedigen. Ansonsten wurde Homosexualität komplett aus der Messe, die von Erotik handeln sollte, verbannt, als ob es sie nicht geben würde. Obwohl wir uns ja ziemlich sicher waren, dass der männliche Stripper Kevin sicher mehr Spaß gehabt hätte, würde er auf dem Schoß eines jungen Mannes herumtänzeln als auf dem einer peinlich berührten Dame. Ignoriert wurde außerdem auch das Thema Aids. Unnütze Goodies gab es zwar ein paar, aber niemand ist auf die sinnvolle Idee gekommen gratis Kondome zu verteilen oder das Thema Aids gar anzusprechen. Und so verließen wir nach zwei Stunden, völlig überfordert von der Masse an überladenen Ständen, die Pyramide wieder und waren uns einig: sehen wird uns die Erotik Messe so schnell nicht mehr.
...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....
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haben die herren sich freiwillig fotografieren lassen...?
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