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Lost Girls - Schlaf mit mir!

2008-08-04 10:48:45

  • girls Lost Alan Moore
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Drei der bekanntesten weiblichen Figuren der Literatur erleben multiple Orgasmen in einem österreichischen Hotel, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Expliziter, künstlerisch wertvoller Porno von Alan Moore und Melinda Gebbie.

Wer kennt sie nicht: Alice aus Alice im Wunderland, Wendy Darling aus Peter Pan und Dorothy Gale aus Der Zauberer von Oz. Doch so wie hier, hat man sie noch nie gesehen.

Die unbändige Erotik der Freiheit

Im Jahre 1913 finden sich diese drei Damen im Hotel Himmelgarten in Österreich ein. Alice ist die älteste Dame unter ihnen und mittlerweile ergraut, Wendy scheint Mitte dreißig zu sein und Dorothy, das Küken, um die 20. Diese Frauen haben etwas gemeinsam, doch noch ahnen sie davon nichts. In ihrer Jugend durften alle drei Erlebnisse machen und Erstaunliches geschehen sehen. Ob Wunder,- Nimmer,- oder Zauberland, jede nahm an ungeahnter Faszination in einer scheinbar entrückten, auf den Kopf gestellten Welt teil.
Nach und nach kommen sich Alice, Wendy und Dorothy nahe. Sie lernen sich kennen, erzählen sich Geschichten aus ihrem Leben, und plötzlich entstehen aus Freundschaften körperliche Beziehungen. Doch auch die Vergangenheit der Damen ist anders, als wir es von Carroll, Barrie und Baum kennen.

Ballet der Blicke


Die Lost Girls sind Frauen, die sich in einem Ausnahmezustand befinden, zwischen Lust und Verzweiflung. Die Leidenschaft, die mal da war und sich neu entwickelt, bricht förmlich über sie herein. Nur Alice hat ihre sexuelle Freizügigkeit in ein geordnetes Leben integriert. Sorglos widmet sie sich der Kunst, der Ästhetik der Körper und ihren erotischen Liebschaften mit Mann und Frau. Sie ist auch der Motor, der den Funken in Wendy und Dorothy erweckt und antreibt.
Die erste Zusammenkunft verläuft noch schüchtern und wird zum Schauplatz der Verwirrung, sinnlich und nachdrücklich. Zaghafte Blicke werden ausgetauscht. Erst mit weiterem Verlauf entdecken die Hauptcharaktere und auch sämtliche Nebenfiguren, die das Hotel beheimatet, ihre Libido wieder, die durch ihre Trägheit unterdrückt wurde. Einem Abtauchen in die intimen und erogenen Zonen steht nichts mehr im Weg

Sexuelle (Comic)Revolution

Der britische Starautor Alan Moore hat es wieder getan: Etwas Außergewöhnliches geschaffen.
Pornographie im Comic-Genre ist es geworden, mit drei Ladies, die ursprünglich eher in Kinderliteratur zu finden sind.
Bei Moore müssen nun typische Erzählweisen zurücktreten. Ihn interessiert es brennend, was hinter der persönlichen Fassade an Abgründen lauert. Der historische Hintergrund, so brisant sich dieser noch zu entwickeln droht, ist nur Mittel zum Zweck. Durch sexuell aufgeladene Dialoge lässt er versteckte Wünsche ans Licht dringen. Dabei wirft das Duo Moore/Gebbie mit unmoralischen Aspekten nur so um sich. Es scheint, als wollten sie die ganze Palette der Lüste und Triebe an Dorothy, Wendy und Alice auslassen.
Kaum eine sexuelle Ausrichtung oder Praktik, die von den beiden nicht aufgriffen wird: Der sexuelle Akt an sich, Masturbation, Petting, Homoerotik, Sadomasochismus, Fellatio, Cunnilingus, Anilingus, Gruppensex oder Ménage à trois, Dirty Talking, Voyeurismus, Fetischismus (Hauptsächlich silbern glänzende Schuhe) oder Zoophilie.
Manchem mag das sicherlich sauer aufstoßen, doch sind es die fast naiv wirkenden Zeichnungen, die den Szenen die Härte nimmt und weich werden lässt. Melinda Gebbies Stil ist geprägt von einer wilden Schönheit und feinsten Details, die vor erigierten Gliedern nicht zurückschreckt.

Trotz Verlangen und Anziehung, die zu dieser Zeit weder erlaubt sind noch sein dürfen, wirken Gedanken an die Vernunft absurd. In den zahlreichen Sexszenen, die für den ein oder anderen 'Aha-Effekt' sorgen, geht die Ratio im Höhepunkt der Gefühle unter. Übrig bleibt die Sehnsucht, aufzugehen im jeweils anderen.

Eine solche Körperlichkeit ordentlich zu inszenieren, da braucht es ein eingespürtes und fähiges Team. Es verlangt ein geschicktes Händchen, die Würde der Figuren bei all dem dargestellten Austausch von Flüssigkeiten in diesem schwankenden, erotischen Mikrokosmos aufrechtzuerhalten. Das Überschreiten aller Hemmungen und die Entledigung von moralischen Zwängen, wird völlig natürlich dargestellt, was auch einen großen Teil der Qualität von Lost Girls ausmacht. Letztenendes finden alle drei Frauen nach all den sexuellen Eskapaden wieder ihr eigenes Ich, dass sie in Wirklichkeit nie verloren haben. Fantasie und Realität habe eine Übereinstimmung gefunden.

Nur für Erwachsene

Lost Girls lehnt sich gegen eine einfache Zuweisung auf.
Eine erotische Sage, die insgesamt 16 lange Jahre in Anspruch nahm bis zur Fertigstellung, und über Verlangen, Abnutzung und wiederkehrendes Entfachen der Lust reflektiert. Lost Girls ist sicherlich auch keine günstige Investition. Für drei schmucke Bände im luxuriösen Schuber muss man stolze 75 Euro hinblättern, doch hat man so ein einzigartiges Werk im Regal stehen, dass es in der Form sicherlich nicht zweimal gibt.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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