Es gibt einen in Helsinki, in Singapur, in Chicago, in Hamburg und seit kurzem sogar in St.Pölten. Ein Complaints Choir - ein Beschwerdechor. Wer sich gern über alles mögliche aufregt und dazu noch singen kann, ist hier richtig.
Wer hat sich über so etwas noch nicht geärgert: die Schule, die Öffis, die Nachbarn und dass Leute sich ins Swimmingpool schneuzen. Wenn man diesen Alltags-Problemen kreativer begegnen will, als eine Facebook-Gruppe zu gründen, tritt man ganz einfach einem Complaints-Choir bei.
Straßenbahnlinie 3 stinkt nach Pisse.
Geboren wurde die Idee für einen Beschwerdechor natürlich - wo auch sonst? - in Finnland. Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta-Kalleinen sind die Erfinder dieser Form des "sich Luft machens" und reisen seither durch die ganze Welt. Ihr Konzept funktioniert wie folgt: Tellervo und Oliver kündigen einen Workshop an. Dort trifft man sich zu zehnt oder zu hundert und erzählt sich seine Probleme. Diese werden alle notiert und dann in eine Melodie verpackt und laut vorgesungen. Als letzter Schritt wird der Auftritt auf Video aufgezeichnet und ins Internet gestellt.
Nicht ein Politiker löst sein Versprechen ein.
Stunden, ja mittlerweile ganze Tage, habe ich damit verbracht alle bisherigen Complaints Choir-Videos zu finden und anzuschauen. Kleine persönliche Probleme, wie das Verschmieren von Wimperntusche, treffen unmittelbar auf große, wie etwa das Versagen der Politik, wenn es um Integration und Gleichstellung geht.
Einerseits lustig, dass der Mann der wütenden Finnin so laut schnarcht, andererseits ungerecht, dass die junge Mutter aus Hamburg noch weniger Kindergeld als eh schon zugesprochen bekommt.
Mein Nachbar macht komische Tier-Geräusche.
Meine Empfehlungen sind der Complaints Choir of Helsinki (Link unten), der sich unter anderem über Handy-Ringtones beschwert und dies in Form von gesungener Handyklingel-Melodien tut. (2:14)
Unbedingt gesehen haben muss man den Complaints Choir of Singapur (Link unten), der kurz vor seinem Auftritt von der Regierung ein Auftritts-Verbot erhält und das sofort im Song verarbeitet: "Why do we need a permit to sing our complaints?" (4:40), und außerdem den Überraschungseffekt schlechthin bietet! (5:55)
Meine letzte Empfehlung - ich will ja hier nicht ausschweifen - gilt dem Beschwerdechor St.Pölten (Link unten), der letztes Jahr zwar nicht von den beiden Finnen gegründet wurde, aber trotzdem einiges drauf hat. Mit "Wenn in Wien die Sonne scheint" treten sie sogar beim diesjährigen FM4 Protestsongcontest auf.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
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