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kreatives

Flugzeugmusik.

  • Musik Flug zeug

So ähnlich wie Fahrstuhlmusik, nur anders.

In letzter Zeit fliege ich oft. Mit dem Flugzeug. Fliegen wird immer billiger. Ich muss viele Menschen besuchen, die mir wichtig sind. Und manchmal macht man halt auch einfach nur Urlaub. Und weil Zugfahren oft teurer ist und außerdem langweilig, fliegt man. (Ich weiß, die Umwelt... Dafür fahre ich mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto!) Obwohl man selbst ja eigentlich gar nicht fliegt, man sitzt ja nur da, isst, schläft, liest oder kauft den Board-Shop leer. Man wird geflogen. In meinem Fall häufig von einer netten kleinen Fluglinie, die sich die deutsche Hauptstadt namenstechnisch einverleibt hat.

Ich mag diese Fluglinie, ich freue mich bei jeder Buchung auf das Angebot an Zeitungen, die man lesen darf, auf die freundlichen, aber nicht unmenschlichen Stewards und Stewardinnen und sogar auf den Schokomuffin zum Frühstück und auf das Käsebrot zu allen anderen Tageszeiten.

Letztes Wochenende war es wieder einmal soweit. Ich bin ins Rheinland geflogen, in die Stadt wo eine große Kirche, abertausende Einkaufsstraßen und die Industrie aufeinander treffen. Man kennt das ja: Im Flughafen in Wien sitzt man in einem der B-Gates und wartet bis ein Bus herankurvt, der einen dann, ohne alltägliche Autostraßen-Verkehrsregeln zu beachten, in seltsamen Bahnen über Lande- und Startflächen bis zum Flugzeug bringt. Bei der Fluglinie meines Vertrauens werden die Passagiere immer in zwei Busse gestopft, man will ja nicht, dass sich alle in einen pressen müssen. Extrem zuvorkommend. Jedenfalls nehme ich jedesmal den ersten Bus, einerseits weil ich schlecht im Warten bin, andererseits weil man dann im Flugzeug mehr Zeit hat, bevor endgültig alle da sind.

Auch diesmal machte ich es so. Im Flugzeug angekommen schnappte ich mir Lesematerial, begrüßte die Stewardess mit "Hi" (das macht man als junger Mensch jetzt so), schnappte mir ein Apfel-Zuckerl aus ihrem großen Korb und suchte meinen Platz. Doch schon in diesem Moment stimmte etwas nicht, irgendwas irritierte mich. Statt den angenehmen Motorengeräuschen, oder dem wohltuenden Gebrüll des Kapitäns durchs Funkgerät, war diesmal etwas anderes zu vernehmen. Musik.

Musik von Coldplay um genau zu sein. Starr vor Schreck und endlich in Reihe 25, Fenstersitz, angekommen musste ich erstmal durchatmen und habe in dieser Schreckensminute total darauf vergessen mir aufzuschreiben, was für ein Song es denn war. Aber egal. Coldplay zum Wegfliegen? Wer nimmt sich die Frechheit heraus, mein Leben mit Musik zu unterbuttern? Wenn ich das möchte, pack ich meinen Mp3-Player aus, geh zu einem Konzert oder zum Billa. Aber doch nicht im Flugzeug. Und klar: Coldplay, haben die netten Chefs der netten Fluglinie gedacht, Coldplay - das mag doch jeder gern! Falsch gedacht, meine Herren! (Und auch Damen, aber dann hört sichs nicht mehr so streng an.)

Doch wer denkt, dass das alles war, hat genauso falsch gedacht. Nächster Song: Cher - Strong enough - unweigerlich muss ich an eine Parodie der genialen Komikerin Ellen Degeneres denken (Link unten), lache kurz auf, versinke dann aber in enormes Zweifeln, was diesen Song als Reisebegleiter in einem Flugzeug angeht. Immerhin singt die gute Cher: "This is our last goodbye, it's true / I'm telling you / Now I'm strong enough to live without you". Ich beobachte die anderen Menschen in und um Reihe 25 und habe Angst, dass einer von ihnen gleich zu weinen beginnt, weil er gerade von seiner Frau verlassen wurde.

Ein kurzes Intermezzo von Nelly Furtado - nein, leider nicht I'm like a bird - und von dem fast schon obligatorischen I want to break free von QUEEN ("I can't get used to, living without, living without / Living without you by my side" - ich kann die anderen Passagiere nicht mehr beobachten und hoffe inständig, dass ich der einzige bin, der wirklich über den Text nachdenkt). Endlich kommt der zweite Bus an, die Musik endet abrupt mit der ziemlich arg genuschelten Durchsage des Piloten: "Boawin Gomblität", also Boarding Completed. Nehm ich mal an.

Den ganzen Flug über, immerhin über eine Stunde, schaffe ich es nicht, mich zu erholen. Man kann jetzt denken, dass ich übertreibe, aber man muss sich nur die verschiedenen Tragödien ausmalen, die jeder und jede einzelne in diesem Flugzeug erlebt haben könnte und wie seltsam grausam diese Songs dann ins Gewebe schneiden. Aua. (Hat jetzt nichts mit der Fluglinie zu tun.)

Und als das Flugzeug endlich gelandet ist und die parking position erreicht hat, will ich so schnell wie möglich raus, aber nein! Natürlich will der Musikanlagen-Auto-Pilot (haha) noch einen Gassenhauer raushauen: Ich und Ich - Vom selben Stern beginnt sich in mein Ohr zu kratzen und gerade als ich mich erhebe und meine Jacke überziehe singt der Mann mit den Locken: "Steh' auf! Zieh' dich an! ..."

JA EH!, will ich ihm entgegenbrüllen und nehme mir vor, nächstes Mal eine volle Batterie für den MP3-Player einzupacken.

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AutorIn(nen)

Christian Pausch

Christian Pausch

...und ich wär' hier so gerne zu hause,

denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.

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Kommentare




 

09.12.2009
JohannesRausch

@ christian:

oh mein gott, das muss ja schrecklich gewesen sein, so wie du das schilderst!

in meinem fall - flug nach madrid von münchen, soweit ichs noch im kopf hab - wurde uns allergrässlichster bar-jazz (das nennt man so, oder?) der übelsten chill out-sorte serviert, cocktails exklusive.

ich und meine flugbegleitung natürlich einerseits schon ganz deppert im kopf wegen diesem scheiss, andererseits schon auch lustig, wenn man einen flugzeugabsturz mit jazz-klängen als untermalung miterleben darf. (also jetzt nur als gedankenexperiment, nicht falsch verstehen bitte!)

zyniker, ich...

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12.12.2009
nunus

gefällt mir echt gut!

der link ist toll! :)))))

super chris!
lg,nadja

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26.01.2010
hannes

dito

sehr schön zu lesen :)

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18.01.2010
Caroline.K [info]

ab sofort - oder bald

wollen sie ALLE elektronischen geräte während des GESAMTEN flugs verbieten. zwecks sicherheitsdings und so...

[antworten]




 

Mali: eines der ärmsten Länder Afrikas

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