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Backstage mit Tomte: die andere Art Interview

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Seit fast 15 Jahren bereichern Tomte nun die deutschsprachige Indie-Szene. Im Rahmen der FM4 Radiosession durfte FM5 mit Sänger Thees Uhlmann über das neue Album, Musikpiraterie und das Gefühl, betrunken traurige Lieder zu hören, sprechen.

Zuerst mal die gute Nachricht: Den Tomte-Aufnäher, der am Cover des neuen Albums (VÖ: 10.10.2008) von einer Jeansjacke strahlt, gibt’s beim Kauf der Platte dazu. Kommentiert von Tomte: "Try to download this, Punk!" Die schlechte Nachricht? - Gibt's nicht. Tomte kommen am 15.11.2008 nach Wien und stellen Heureka vor, das fünfte Album der Band aus dem Norden Deutschlands.

FM5 lockte Tomte während ihrem Kurzaufenthalt in Wien bei der FM4 Radiosession im Radiokulturhaus vor's Mikrofon. "Habt ihr was dagegen, wenn wir das Interview doch erst nach dem Konzert machen? Gut, dann kann ich noch zwanzig Bier saufen und eine Schachtel Zigaretten rauchen." Thees Uhlmann, sympathischer Frontmann der Band, führte uns zusammen mit Neo-Mitglied Simon Frontzek nach dem Auftritt in den Backstageraum, die Stimmung war ausgelassen und das Bier doch noch nicht alle. Perfekte Voraussetzungen für ein Interview? Nicht wirklich, aber um so interessanter. Ehe das Gespräch starten kann, brauchen Thees und Simon erst mal ein paar Minuten laute Musik zu der sie abrocken und auch während des Interviews wird der iPod mit den Boxen dran zwischendurch wieder aufgedreht, als bräuchten sie Musik, wie Luft zum atmen. Eine komplett neue Erfahrung gab's auch am Ende, denn bei der angekündigten Abschlussfrage bekamen wir lauten Protest zu hören, wir könnten doch nicht aufhören, es wäre doch gerade so lustig. Also noch drei Fragen nachgefeuert. Und dann? "Nein, ihr geht jetzt nicht." Noch ein Bier und ein bisschen Musik und quatschen.

FM5: Wie seid ihr mit dem neuen Album zufrieden?

Thees Uhlmann: Wir sind sehr zufrieden. Wir mögen die Musik ehrlich gesagt, es bringt Spaß es zu singen und zu spielen. Außerdem sind zwei Leute raus und es geht ordentlich was weiter in der Band. Simon ist fest dabei, Niko ist unser Tour-Bassist.

Harmoniert die Band noch immer so gut wie bisher?

Thees: Es läuft ganz anders ab. Du kannst ja nicht zu deiner Freundin sagen: “Mit dir ist es genauso harmonisch wie mit meiner Ex”, die setzt dich  sofort vor die Tür! Und womit? Mit Recht! Es ist nicht besser oder schlechter, aber es macht genauso viel Spaß!

Habt ihr bei den vielen Umbesetzungen nie daran gedacht, das Kapitel Tomte zu schließen und ein neues anzufangen?

Thees: Es war schon manchmal nicht witzig in den letzten zwei Jahren und manchmal dachte man sich "Fuck! Alles egal." Dann haben wir relativ bald einen neuen Song gespielt und da merkte man: Hey da geht noch was, musikalisch und textlich. Dann ist Simon in die Band gekommen und ab da war's einfach klar, dass es weitergeht. Man stellte sich früher sehr oft die Frage: Wie toll ist das Konstrukt Thees Uhlmann? Aber ich bin nur der Typ, der redet und singt und bin vielleicht eine Person, die eine gewisse Art nach außen hat! Tomte war immer schon wesentlich weniger Thees Uhlmann, als die Leute so denken.

Es gibt also eine gewisse Demokratie im Proberaum?

Thees: Demokratie und Kunst haben nichts miteinander zu tun! (Simon klatscht) Sollten sie auch nicht. Jemand hat eine geniale Idee, dann sagen die anderen: "Ne, das wurde anders beschlossen." Das wäre doch Quatsch. Ich kann nur sagen, dass sich die Band so sehr gefestigt hat und soviel miteinander rumhängt, dass Herr Eitelkeit nicht mehr in der Tomtestraße wohnt.

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Wir reden über Heureka. Der Großteil der Songs sei vor dem Gang ins Studio schon fertig gewesen. Doch bei einigen Liedern veränderte sich doch einiges, besonders Du bringst die Stories (ich bring den Wein) sei anfangs eher ein "trister Abiturientenband-Song" gewesen und hat durch eine Eingebung im Studio den abrundenden Schliff bekommen.

Auf Hamburg angesprochen, meint Thees, dass er schon seit Jahren in Berlin wohne, doch weniger wegen Bushido und Sido, oder den billigeren Drogen, sondern schlichtweg der Liebe wegen. "Wenn die Zeit ruft, ziehen wir nach Wien." Der Name Bushido lenkt das Gespräch schließlich in eine andere Richtung.

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Bushido zieht gegen Musikpiraterie ins Gericht. Wie stehst du zu dem Thema?

Thees: Stell dir mal zwei Supermärkte vor, bei dem einen musst du bezahlen und beim anderen sind die Kassen offen und einmal in der Woche steht da ein Securitymann und sagt: "Ey, ihr klaut ja die ganze Zeit Zeug, das geht nicht!"
Es ist einfach sinnlos sich darüber Gedanken zu machen, es ist einfach common sense, es ist illegal, aber es ist einfach sinnlos.

'Ne ganze Menge Bands, die wesentlich weiter unter dem Verkaufsniveau von Tomte sind, haben eine harte Zeit deswegen. Auf der anderen Seite ist es faszinierend, dass jemand irgendwo in Kuala Lumpur einen Song schreibt und der plötzlich zum Welthit wird!

Radiohead oder - um auch ein lokales Beispiel zu nennen – Angelika Express gehen in der Vermarktung ihrer Musik alternative Wege.

Thees: Radiohead? Das ist doch Schwachsinn! Wenn du Millionen auf dem Konto hast, kannst du alles machen, da kannst du auch auf 'ne Platte pupsen und das die Leute umsonst runterladen lassen, das ist doch egal. Das Problem ist: Wenn du Millionär bist, musst du aufhören rumzujammern: "Die Leute, die was runterladen, dürfen nicht verklagt werden". Wenn du soviel Geld hast, ist es doch komplett egal! Wenn jemand Millionen auf dem Konto hat, soll er die Schnauze halten.

Es ist super, dass Angelika Express ihre Sachen umsonst anbieten. Aber es kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, dass alles was Leute sich mit Inbrunst und Leidenschaft ausdenken, kostenlos ist und die Leute aber für einen Liter H-Milch am Kiosk 1,49€ zahlen!
Ich glaube, dass es dahin gehen wird: Wenn du den Wasserhahn aufmachst, ist Wasser da - und zwar gutes Wasser. Und wenn du den Computer aufmachst, ist Musik da. Deshalb sollten Leute auch was für Musik bezahlen.

"Nichts ist schöner auf dieser Welt, als betrunken traurige Musik zu hören." Was hörst du da?

Thees: Das kommt ganz darauf an. Ich hör' alles von Sigur Rós bis Slayer. Ich bin häufig aus dem Studio weggefahren und es hat mir so viel Spaß bereitet mit diesen Leuten Musik aufzunehmen, da hab ich auf dem iPod viel Slayer gehört. God hates us all. Das geht mir nah, der Song bedeutet mir was. Du lebst in einer Welt, wo sich 60 Prozent aller politischen Speerspitzen darum drehen, wer unser Gott ist und was die anderen machen und wer Recht hat. Und dann singt jemand GOD HATES US ALL. Und ich versteh genau was er meint. Ich bin im Kern seines Begreifens. Das ist ein mächtiges Gefühl. Bei der neuen Tomte Platte hab ich viel über Außenpolitik nachgedacht und darüber wie die Weltpolitik ist. Ich beleuchte die Weltpolitik aber viel häufiger positiv, als die Leute sie wahrnehmen.

Zum Beispiel als wir mitdem Goethe Institut in Russland waren. Wir waren 8000km weit entfernt und die Leute sahen beschissen nochmal genauso aus wie ich – sie sahen sogar ein bisschen besser aus. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass in den nächsten 40 Jahren irgendwas passiert, weswegen ich ein Gewehr nehmen werde und mir denken werde: Hey, auf den schieß ich. Denn genau so ein Typ kommt nach dem Konzert zu mir und sagt mit gebrochenem Englisch: "I heard your music, I didn’t understand but I believed everything." Das sind verbindenende Momente!

Die Textzeile, in der du den Gedanken besingst, dass sich die Menschen nur in der Länge ihrer Schatten unterscheiden, gefällt mir sehr gut.

Thees: Genau das ist mein Glaube. Ich glaube, wenn in Afrika jemand aufwacht und weiß, dass sein Kind keinen Durchfall bekommt, wenn es normales Wasser trinkt, dass seine Frau keine Angst haben muss, wie es morgen weitergeht und alle abends zwei Stunden fernsehen können – da bin ich sehr simplifizierend, ne? – dann wird's keinen Krieg geben!

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Bernd Faszl

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"Was glauben Sie, was in diesem Land los wäre, wenn mehr Menschen mitkriegen würden, was in diesem Land los ist!"

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Caroline Kaltenreiner

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...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....

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Christian Stipkovits

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Kommentare




 

06.10.2008
Caroline.K [info]

Gefunden im Tomte Blog

eigene eigene "vertonung" dieses interviews gibts auch im tomte blog:

http://croc.antville.org/stories/1840838/

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09.10.2008
Nadine

xD

hat très spaß gemacht das zu lesen und der cartoon: xxxxDDD
emoticons sind hier auf jeden Fall angebracht!!

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09.10.2008
bernd [info]

ganz gewiefte wortjongleure meinen sogar, es habe thees spaß gemacht :)

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10.10.2008
Christian [info]

nah dem hats sicher spass gemacht :)


^^

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10.10.2008
Christian [info]

ich finde das mit den IV audio ausschnitten echt gut!

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