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"She was a low and lusty liar anyway"

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Der Ex-Million Dead Frontmann Frank Turner vor seinem ausverkauften Konzert in der Wiener Arena über das vergangene Jahr, Anrufe von Frauen und Freiheit.

Kein Grund zur Panik. Wer seine Österreich-Konzerte im Dezember 2009 verpasst hat, der hat gute Chancen ihn bald wieder live zu erleben. Frank Turner ist auf Tour. Immer. Das war schon zu Million Dead-Zeiten so, aber seit er aus dem Schatten seiner Post-Hardcore Band getreten ist um als Folk-Troubadour (inkl. Songwritergenialität und Punk-Attitüde) durch die Welt zu ziehen, supportet er nicht nur Kaliber wie The Offspring, sondern füllt selbst die Hallen Europas.
FM5
durfte vor seinem ausverkauften Konzert in der Wiener Arena mit ihm sprechen.

FM5: Frank, seit du das letzte Mal in Wien warst, hat sich sicher einiges getan. Wie fühlst du dich?


Frank Turner: Das letzte Jahr lief wirklich gut - es war ein unglaubliches Jahr. Von mir gibt es da keine Beschwerden.

Wie gehst du mit dem Hype um deine Person um?


(lacht) Es ist komisch, da ist tatsächlich sowas wie ein Hype. In England dauerte alles ziemlich lange, in Europa ging das um einiges schneller. Aber es ist eigenartig, wenn Leute so über mich reden. Aber.. ich finde es toll. Es ist unglaublich und wundervoll. So viele Menschen wollen zu unseren Konzerten kommen. Ich bin es halt nur nicht gewohnt. Ich versuche einfach am Boden zu bleiben und mich darauf zu konzentrieren, gute Shows zu spielen und so gute Songs zu schreiben, wie ich kann.

Poetry of the Deed
ist das erste Album, das du mit ganzer Band aufgenommen hast, oder?


Ich wollte schon immer eine Band dabei haben und auf den anderen Alben war ja auch eine Band zu hören. Aber zum Touren mit ganzer Besetzung reichte lange Zeit das Geld nicht, deshalb tourte ich solo. Aber besonders seit Matt Keyboard spielt, habe ich das Gefühl, das richtige Line Up gefunden zu haben und deshalb wollte ich das neue Album mit dieser Band einspielen. Ich finde die Live-Versionen der Songs sind viel besser als die Studio-Versionen, also wär's schwachsinnig gewesen, es nicht so zu machen. Und jetzt habe ich das Beste aus zwei Welten: Ich habe das Kameradschaftsding, weil Solo-Touren können manchmal sehr einsam sein. Und trotzdem habe ich die Vorteile, die Solo-Touren mit sich bringen.

Einwand der restlichen Band-Mitglieder: "It's just being his name"
Frank Turner: Ja, es ist eine "consultitive dictatorship". (lacht)

Habt ihr schon an ein Modell á la Bruce Springsteen and the E-Street Band gedacht?


Ja, wir haben schon darüber geredet. Das ist das Modell, das wir uns vorgestellt haben. Bei Springsteen wissen die Leute, dass es seine Musik ist, aber gleichzeitig, dass die Band nicht aus irgendwelchen dahergelaufenen Musikern besteht. Jeder kennt Roy Bittan und Little Steven. Und das finde ich ziemlich cool.

Du hast viele intime Lieder, ich denke da an "Long live the Queen" oder "Father's Day". Ein großer Teil deines Publikums kennt die Texte auswendig und singt lautstark mit. Wie fühlst du dich wenn du so persönliche Gedanken mit den Leuten teilst?


Manchmal kann das schon sehr seltsam sein. Aber das Beste was man mit Lyrics machen kann, "is to take something personal and make it universal". Ich glaube wenn die Leute mitsingen, singen sie nicht über mein Leben, sondern über ihr eigenes. Außerdem ziehe ich eine deutliche Linie zwischen öffentlichen Dingen und Privatleben. Ich will einfach gute Lieder schreiben und so wie ich das tue, ist es für mich der beste Weg.

Hast du schon Anrufe von Leuten bekommen, die sich über eine Textzeile beschwert haben?


Als Substitute rauskam, hab ich so ziemlich von jeder Frau, mit der ich jemals geschlafen habe, einen Anruf bekommen. Die einen waren böse, weil sie dachten, sie kämen im Song vor und die anderen, weil sie dachten, sie kämen nicht darin vor. "I was just getting shit from everybody". Aber eigentlich war's ganz lustig. "And she was a low and lusty liar anyway.

 

Ich habe versucht mir einen Weg auszudenken, soviel Information wie möglich von dir zu bekommen. Und ich glaube, das funktioniert am besten, wenn ich dich einfach erzählen lasse. Ich gebe dir ein Schlagwort und du sprichst einfach drauflos, ja?

Ja, ich glaube im Drauflosreden bin ich gut (lacht)

Drinking with drifters in Vienna
(Textzeile aus der ersten Single von Poetry of the Deed - The Road, Anm.)

Als ich das erste Mal nach Wien kam, spielte ich im Flying Pig. Da waren ungefähr 30 Leute. Nach dem Konzert habe ich mit zwei Engländern und einer Australierin gesprochen und ich war von diesen "crazy motherfuckers" begeistert. Die Engländer lebten nur von Glücksspiel und Autos drosseln und so. Und das Mädchen verkaufte ihre getragene Unterwäsche an japanische Geschäftsmänner für hundert Euro - sicher zehn die Woche. Ich wollte sie einfach im Song erwähnen, weil das waren die freiesten Menschen, denen ich je begegnet bin.

Der schönste Ort der Welt


Weißt du, es gibt eine Million gute Orte. Aber ich bin mal langweilig und wähle London. Ich vermisse London, wenn ich weg bin und ich habe immer eine tolle Zeit in London, weil die meisten meiner Freunde dort wohnen. Also wenn ich geographisch den schönsten Ort wählen müsste, wäre es London, und sonst ist der beste Ort ein Konzert,  bei dem alle Spaß haben und mitsingen.

DIY


DIY ist wahrscheinlich die tollste Sache, die Punkrock hervorgebracht hat. Besonders der DIY-Spirit von Henry Rollins (Black Flag, Anm.) ist großartig. Ich mag diese Art von Eigenständigkeit. Dieses "Don't think about it, just do it and don't wait for things to happen". Diese Einstellung zum Leben und zur Musik ist stark und positiv und das ist großartig.
Das militante DIY-Gehabe nervt aber manchmal. Green Day darf nicht mehr gehört werden und so. Im Punk geht es darum sich keine Grenzen zu setzen. Manche denken DIY heißt auf einem kleinen Undergroundlabel zu sein. Diese Labels sind großartig, aber für mich heißt DIY "when there are no shows happening, then I'll make shows happening".

Hast du von manchen DIY-Leuten auch Kritik für deine Tour mit The Offspring einstecken müssen?


Ja, sicher. Aber das ist doch lächerlich! The Offspring ist immer noch die größte Independent Band der Welt. Und wenn man ein Problem mit The Offspring hat, dann zeigt das deutlich, dass es nicht um das Label geht, sondern nur um den Erfolg. DIY muss ja nicht nur "small-scale" sein. Manche denken Erfolg und Sich-Verkaufen ist dasselbe, aber das ist meiner Meinung nach Schwachsinn!
The Gaslight Anthem
ist es genauso gegangen als sie zusammen mit Bruce Springsteen eine Show gespielt haben. Die Leute dieser kleinen Community sollten in den Straße tanzen und feiern! Ich meine... Sie haben mit dem Boss gespielt! Stattdessen sagen sie: Oh verdammt, vor sechs Monaten mochte ich diese Band noch, aber jetzt höre ich sie mir nie wieder an. What the fuck!

Gibt es auch Bands, die du nicht supporten würdest?


Nein, ich will meinem oder irgendeinem Publikum gegenüber nicht versnobt sein. Ich hoffe, dass es in jedem Publikum Leute gibt, die mit meiner Musik etwas anfangen können. Ich liebe es einfach Konzerte zu spielen. Aber ich muss schon gestehen, dass ich wahrscheinlich zweimal darüber nachdenken würde, wenn du mir anbieten würdest, für Cannibal Corpse zu eröffnen, weil ich womöglich in Stücke zerrissen werde. Aber das ist eben ein anderer Kontext. Es gibt keinen typischen Fan. In den frühen Zwanzigern, angepisst und Against Me-Fan. Ich will universeller sein. Und wenn Whitney Houston-Fans meine Platten mögen, dann ist das toll und was sie hören, wenn sie nicht meine Songs hören, geht mich nichts an.

Nächstes Schlagwort: Freiheit


Ich bin der Meinung, dass Freiheit der höchste Wert ist, nach dem wir Menschen streben können. Und ich halte die politische Einschränkung von Freiheit für eines der schlimmsten Verbrechen, die man begehen kann. In England war vor kurzem - es wird nun doch nicht gemacht, was spitze ist - die Rede von verpflichtenden EDV-mäßig erfassten Identity Cards, die böse und schrecklich sind.
Aber am Ende des Tages bin ich viel mehr an Musik als an Politik interessiert. Politik ist für mich sowas wie ein Neben-Interesse.

Straight Edge


Ich war fünf Jahre lang Straight Edge als ich so 16, 17 war. "But I did a lot of drinking and drugging before I was Straight Edge and I've done a lot since then as well" (lacht)
Ich glaube, dass Menschen ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Ich will andere Lebensstile nicht schlecht reden, aber von allen Lebensstilen ist Straight Edge sicher nicht der schlechteste.

Mohawk


Ich hatte mal einen. Es war wirklich grässlich. (lacht) Das ist die schlimmste Frisur, die ich je in meinem Leben hatte. Nicht dass Mohawks prinzipiell grässlich sind, aber...
Ich war wohl 15 zu der Zeit und wie es im Song ("Fathers Day", Anm.) heißt, waren meine Eltern auf Urlaub und meine Freunde kamen zu mir nach Hause. Wir waren betrunken und einer holte eine Schere raus und scherte die Seiten von mir ab. Der Mittelstreifen des Mohawks war nicht mal gerade. Und bei einer anderen Gelegenheit versuchte ich meine Haare mit einem batteriebetriebenen Barttrimmer zu schneiden. Und als ich halbfertig war, waren die Batterien leer. Meine Mutter war stinksauer auf mich (lacht)

Schlimmster Auftritt


Ach, ich weiß nicht. Ich denke nicht soviel über schlechte Auftritte nach. Ich hab schon tausendmal vor drei Leuten gespielt, aber das ist manchmal grandios.
Einmal hab ich mir bei einem Million Dead Festivalgig vor 10 000 Leuten selbst aus Versehen in die Eier geboxt - das war ziemlich schlimm. Es tat so weh und es war ziemlich offensichtlich dass das grad passiert ist und es war sinnlos so zu tun, als ob nichts gewesen wäre. Aber eigentlich war's trotzdem eine gute Show (lacht)
Einen schlimmen Auftritt hatte ich allerdings auf der Offspring Tour. Das war ein Konzert in Sayreville, New Joursey, das ist eine ziemliche Militär-Stadt. Und als ich gespielt habe, riefen diese verdammten Skinhead-Typen "USA! USA! USA!". Ich hab es gar nicht glauben können, also habe ich extra meine Setlist für diesen Abend geändert und nur noch Fingerpicking-Lieder gespielt und hab noch zehn Minuten Zugabe gegeben, "just to piss them off.... and it worked". Danach haben wir sofort die Stadt verlassen, das war schon ein ziemlich schlechtes Konzert.

Girls


(lacht) Ich weiß gar nicht was ich da sagen soll. Ich mag hübsche Mädchen. Mehr zu sagen wäre sehr unverschämt von mir, weil es nicht nur um mich geht. Ich mag hübsche Mädchen.

Herzlichen Dank, Frank Turner!

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AutorIn(nen)

Bernd Faszl

Bernd Faszl

"Was glauben Sie, was in diesem Land los wäre, wenn mehr Menschen mitkriegen würden, was in diesem Land los ist!"

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Christian Stipkovits

Christian Stipkovits

Möchtegern-Idealist-Haber.
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Kommentare




 

30.12.2009
zellerluoid

A & Q

...cooles teil...

*thez*

[antworten]




 

08.01.2010
katharina

zitat

lieber Bernd,
ist das ein Zitat in Deiner Beschreibung? "Was glauben sie, was in diesem Land los wäre,...."
falls ja: wer hat das gesagt?
falls nein: du bist auf jeden Fall genial.
Katharina

[antworten]




 

10.01.2010
bernd [info]

--> zitat

servus,

der spruch ist nicht von mir, aber er ist tatsächlich genial :)

ich hab keine ahnung wo ich ihn aufgeschnappt habe, aber ich bilde mir ein, dass das mal jemand in einem fernseh-interview gesagt hat. tut mir leid, dass es nicht konkreter geht..

beste grüße

[antworten]




 

10.01.2010
bernd [info]

--> zitat

servus,

der spruch ist nicht von mir, aber er ist tatsächlich genial :)

ich hab keine ahnung wo ich ihn aufgeschnappt habe, aber ich bilde mir ein, dass das mal jemand in einem fernseh-interview gesagt hat. tut mir leid, dass es nicht konkreter geht..

beste grüße

[antworten]




 

10.01.2010
bernd [info]

--> zitat

servus,

der spruch ist nicht von mir, aber er ist tatsächlich genial :)

ich hab keine ahnung wo ich ihn aufgeschnappt habe, aber ich bilde mir ein, dass das mal jemand in einem fernseh-interview gesagt hat. tut mir leid, dass es nicht konkreter geht..

beste grüße

[antworten]




 

10.01.2010
bernd [info]

--> zitat

servus,

der spruch ist nicht von mir, aber er ist tatsächlich genial :)

ich hab keine ahnung wo ich ihn aufgeschnappt habe, aber ich bilde mir ein, dass das mal jemand in einem fernseh-interview gesagt hat. tut mir leid, dass es nicht konkreter geht..

beste grüße

[antworten]




 

17.01.2010
MarkusO [info]

...

Sehr nettes Interview, ja ja.
konzert ist sich für mich ja leider nicht ausgegangen. :(

[antworten]




 

Best of Two Days A Week +1

Une bonne aventure en France

Das kleine Einmaleins des Festivalcampings


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